Wege aus der Sucht
Begleitetes Trinken ab 14 Jahren – Verbieten oder Erlauben?
Film von Franziska Grote-Appel
In der aktuellen Folge von Zur Sache Rheinland-Pfalz wird eine wichtige und oft kontrovers diskutierte Frage aufgegriffen: Soll begleitetes Trinken ab 14 Jahren erlaubt oder verboten werden? Besonders für Menschen mit Suchterfahrungen und ihre Angehörigen ist dieses Thema von großer Bedeutung.
Aus Sicht der EX-IN Genesungsbegleitung beschäftige ich mich intensiv mit solchen Fragen. Meine Qualifizierung in einem EX-IN Kurs befähigt mich, eigenes Erfahrungswissen professionell, reflektiert und verantwortungsvoll einzubringen. Dabei geht es nicht nur um Kontrolle oder Erlaubnis, sondern um tragfähige Unterstützung, Beziehung und Prävention für Jugendliche in belastenden Lebenssituationen..
Was meint ihr: Kann begleitetes Trinken ein Weg sein, um Sucht vorzubeugen – oder ist es ein gefährlicher Kompromiss?
➡️ Schaut euch den Beitrag an und teilt mir gerne eure Meinung mit!
Jugendschutzgesetz von 1952 auf dem Prüfstand
RLP-Familienministerin Binz: Kein generelles Nein zu "Begleitetem Trinken"
"Ein Bierchen mit den Eltern auf der Kerwe, das schadet Jugendlichen doch nicht." Oder doch? "Begleitetes Trinken" soll verboten werden. In RLP sind sich nicht alle einig.
Familienministerin sieht im "Begleiteten Trinken" auch Vorteile
Familienministerin sieht im "Begleiteten Trinken" auch Vorteile
Lange Zeit galt die Devise: Besser, die Jugendlichen beginnen mit dem Alkohol trinken, wenn Erwachsene dabei sind, als wenn sie das sozusagen unbeaufsichtigt tun. So kam es zu der Regelung, die "Begleitetes Trinken" ab 14 Jahren in Gaststätten und generell in der Öffentlichkeit erlaubt. Sie wurde 1952 im Jugendschutzgesetz festgelegt und scheint heute wie aus der Zeit gefallen. Viele sind auch überrascht, dass es diese Regelung überhaupt gibt.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will das "Begleitete Trinken" verbieten. Sein Argument: "Die Anwesenheit von Erwachsenen ändert nichts an der Schädlichkeit von Alkohol für Kinder. Deswegen sollte das sogenannte Begleitete Trinken untersagt werden."
Die rheinland-pfälzische Familienministerin Katharina Binz (Grüne) findet: "Wir müssen uns grundsätzlich anschauen, wie wir als Gesellschaft mit Alltagsdrogen wie Alkohol umgehen." Und es müsse geprüft werden, ob das Jugendschutzgesetz insgesamt noch zeitgemäß sei. Ob man aber ausgerechnet bei der Frage über das "Begleitete Trinken" anfangen müsse, das halte sie für fraglich.
"Denn eigentlich kann es doch auch ganz sinnvoll sein, dass man sagt: Okay, wenn Erwachsene, in diesem Fall die Eltern, darüber auch mit Jugendlichen ins Gespräch kommen wollen, was Alkoholkonsum auch anstellen kann. Dann kann so eine Regelung vielleicht sogar ganz sinnvoll sein."
Lernen 14- und 15-Jährige einen besseren Umgang mit Alkohol, wenn sie unter der Kontrolle von Eltern, Onkeln oder Tanten zum ersten Mal Wein und Bier trinken? Oder werden sie dadurch überhaupt erst an Alkohol herangeführt?
Was sagen: --> Ärzte --> Sozialarbeiter --> Alkoholkranke
Trockener Alkoholiker hält Gesetz zum "Begleiteten Trinken" für absurd
Robert Jacobs aus Ingelheim kämpfte Jahrzehnte gegen seine Alkoholsucht. Heute arbeitet er als Genesungsbegleiter - ein relativ neues Berufsbild. Menschen, die selbst durch psychische Krisen gegangen sind, werden ein Jahr lang ausgebildet, um psychisch Kranke auf ihrem Weg zu begleiten.
Dass Jugendliche in Begleitung Erwachsener Alkohol trinken dürfen, hält Robert Jacobs für absurd. "Was machen die Eltern denn genau? Worin besteht denn diese Begleitung?"
Er erzählt eine eigene Erfahrung, die er damit als Siebenjähriger gemacht hat.
"Mit sieben Jahren hab ich zum ersten Mal Alkohol getrunken."
"Auf dem Geburtstag von Tante Annie eine rote Flüssigkeit auf dem Tisch gesehen, getrunken, in die Hammondorgel gegriffen.
Und alle Gäste waren super amüsiert, dass da jetzt ein Kind angetrunken Hammondorgel spielt."
Für Robert Jacobs war dieser erste Alkoholkontakt mit der positiven Erfahrung verbunden, im Mittelpunkt zu stehen und von allen Anerkennung zu bekommen. Danach habe ihn der Alkohol nicht mehr losgelassen, erzählt er. Als 17-Jähriger sei er praktisch durchweg betrunken gewesen. Der Alkoholmissbrauch hat ihn zu einem schwerkranken Mann gemacht.
Nicht jeder Jugendliche, der bei der Geburtstagsparty der Tante ein Glas Wein trinkt, wird Alkoholiker, sagt Jacobs. "Aber wenn er eine solche Lebensgeschichte durchläuft, dann werden sich diese Eltern ganz schwere Vorwürfe machen."
Seinen eigenen Eltern macht er aber keine Vorwürfe. Damals habe man es einfach nicht besser gewusst, meint er. Aber heute wisse man, was Alkohol bewirke.
Sendung vom Do., 12.9.2024 20:15 Uhr, Zur Sache Rheinland-Pfalz, SWR RP
Volksdroge Alkohol - der legale Rausch
Film von Sanaz Saleh-Ebrahimi
Alkohol ist überall in unserem Alltag zu finden.
Jeder Erwachsene in Deutschland trinkt im Durchschnitt 130 Liter Alkohol im Jahr – das ist so viel wie eine ganze Badewanne voll. Das ist eine große Menge, und Experten warnen, dass es zu viel ist. Aber warum trinken wir so viel? Ist es vielleicht, weil Alkohol so leicht zu bekommen ist?
In Deutschland gibt es zwei Millionen Menschen, die alkoholabhängig sind,
und zehn Millionen, die so viel trinken, dass es ihrer Gesundheit schadet. Das kostet die Gesellschaft jedes Jahr 60 Milliarden Euro. Trotz dieser hohen Kosten und der bekannten Risiken hat sich in der Politik rund um Alkohol in den letzten Jahren wenig verändert.
Alkohol ist eine Droge,
die mitten in unserer Gesellschaft steht. Schon lange ist bekannt, dass nicht nur große Mengen Alkohol schlecht für die Gesundheit sind. Auch kleine Mengen können Krebs verursachen oder andere Krankheiten verschlimmern.
Genesungsbegleiter,
die selbst Erfahrungen mit Alkoholproblemen gemacht haben, können Menschen in einer solchen Krise unterstützen. Sie verstehen aus eigener Erfahrung, wie schwer der Weg aus der Abhängigkeit sein kann, und bieten wertvolle Hilfe an. Sie zeigen, dass es möglich ist, weniger zu trinken oder ganz aufzuhören, und sie unterstützen andere dabei, diesen Weg zu gehen.
Diese Experten können helfen,
den Kreislauf zu durchbrechen und einen neuen, gesünderen Weg einzuschlagen. Sie teilen ihre Geschichten und Erfahrungen und zeigen, dass es einen Ausweg gibt. Ihre Arbeit ist ein wichtiger Schritt, um das Problem der „Volksdroge Alkohol“ in der Gesellschaft zu bewältigen.














Anruf: 06132 - 579 77 66